Flensburger MEMORIAL zur kolonialen Vergangenheit - „Weg der Erinnerung“

Anstatt ein traditionelles Denkmal zu entwerfen, ist die Gedenkstätte als eine erlebnisreiche Reise im Freien konzipiert, die die Besucher sowohl physisch als auch emotional durchlaufen.


Das Konzept setzt verschiedene Aspekte der Kolonialgeschichte Flensburgs in einen sequenziellen Parcours um, der Gewalt, Ausbeutung, Reichtum und Widerstand symbolisiert.


Die Reise beginnt, wenn die Besucher durch einen trichterförmigen Eingang schreiten, der vom „Gate of No Return“ inspiriert ist und welcher Vertreibung sowie unwiderruflichen Verlust symbolisiert.


Nach diesem Eingang folgt die erzwungene Wegeführung durch einen engen Zwischenraum, welcher Gefangenschaft und den Verlust der Selbstbestimmung versklavter Menschen räumlich darstellt. Anschließend geht der Pfad über in ein sich wiederholendes Raster, welches die Plantagenstrukturen und die koloniale Raumordnung symbolisiert. Die Geometrie zerfällt schliesslich und löst sich auf, was den Widerstand und den Zusammenbruch der kolonialen Systeme darstellt. Auf diese Weise wird Geschichte nicht nur dargestellt, sondern durch die Architektur räumlich erlebt. Das Konzept vermittelt zudem die Koexistenz zweier Realitäten durch den Einsatz kontrastierender Materialien und Formen.

Höhenverlauf
Der Höhenverlauf des Memorials steigt kontinuierlich zur Mitte hin an und symbolisiert den Auf - und Abstieg der Kolonialherrschaft. An der engsten Stelle ist der höchste Punkt von ca. 2,50m erreicht. Diese Abschnitt steht für den Zeitpunkt des größten Wohlstandes in Flensburg und parallel dazu die Epoche des größten Elends und maximaler Unfreiheit der Sklaven auf der andere Seite des Atlantiks. Der Besucher soll den Weg im Spannungsfeld dieser zweier Welten als maximal beklemmend erleben.


Materialien
Die Verwendung zweier unterschiedlicher, sich gegenüberstehender Materialien symbolisieren die zwei verschiedenen Realitäten:

Das Material Bronze steht für die Realität “Kolonialherren”, die sich monetär durch den Sklavenhandel bereichern konnten. Das Material geflammtes Holz steht für die “Ausgebeuteten, die Sklaven” und deren Realität der Unfreiheit.


Städtebauliche Lage
Das Memorial ist südöstlich seitlich am Platz des Museumshafens entlang
der Promenade verortet. So wird dieses von Fußgängern am Wasser sofort
wahrgenommen und kann durchlaufen werden. Sichtbezüge zum Wasser
oder zum Schifffahrtsmuseum werden durch die Maßstäblichkeit des
Memorials nicht beinträchtigt. Die Lage der Skulptur direkt am Wasser
stellt einen historischen Bezug zu den Kolonialschiffen, der An- und Abreise, her. Raum für Dialoge bieten die bestehenden Sitzmöglichkeiten entlang der Promenade sowie der Platz am Museumshafen.



Projektzeit: 2026